«Beim surfen explodieren meine Emotionen»

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Sarah surft; Die gefährlichste Welle in Mexiko, hohe Wellen im Pazifik und bei den Schweizer Surfmeisterschaften im Oktober.

Ihren Adrenalinkick findet die Schaffhauserin Sarah Neukomm beim Surfen. Zur Zeit jagt sie auf Bali den Wellen nach. Noch bis Ende September ist sie in Bali. Dort bereitet sie sich auf die Schweizer Surfmeisterschaften anfangs Oktober vor. Bali tönt für uns Schweizer:innen nach Sonne, Strand und Spass. Für Sarah ist es stundenlanges Training im Wasser, Atem- und Kraftübungen an Land und mentale Vorbereitung.

«Schweizer:innen nehmen Surfen oft nicht als Sportart wahr, es wird mit Ferien in Verbindung gebracht», sagt Sarah. «Wenn du den ganzen Morgen im Wasser und in der Sonne bist, gehst du am Nachmittag nicht noch zum Spass an den Strand.»

Wie oft war ich am Strand, nur um am Strand zu sein? Nie!

Sarah Neukomm, Surferin

Angefangen hat alles mit Sarahs Schwester, als diese 2016 im Sprachaufenthalt in Australien war und dort ab und zu surfen gegangen ist. «Wenn Leonie um 5 Uhr in der Früh aufsteht, muss es was heissen», erzählt Sarah. Sie dachte sich, sie muss auch unbedingt surfen probieren und so kam es, dass sie für drei Wochen in die Dominikanische Republik flog, jeden Morgen Surflektionen nahm und nachmittags Spanisch lernte oder mit den lokalen Jungs die Insel erkundete.

Wellen berechnen

Zum Surfen gehört aber so viel mehr als auf einem Brett balancieren und nicht versuchen ins Wasser zu fliegen. Es geht darum, die Windrichtung, den Untergrund (Sand oder Riff), das Equipment, den Umgang mit anderen Surfer:innen, Techniken und Wettervorhersagen zu lernen, kennen und richtig einzusetzen.

«Wenn ein Sturm im Atlantik tobt kannst du genau berechnen, wann und wo die Wellen kommen», sagt Sarah. Allgemein die Wellen zu lesen war für sie anfangs nicht einfach. Als Surferin, die nicht am Meer aufgewachsen ist, konnte sie nicht an den Horizont schauen und sagen, wie die Wellen sind. Das braucht Training.

Als Surfer:in lebt man natürlich auch einen gewissen Lifestyle. Viele Leute sehen aber die Arbeit und Wissenschaft dahinter nicht.

Sarah Neukomm, Surferin

Surfer:innen leben vom Sponsoring

Die Surf-Community ist sehr oberflächlich und sexistisch. «Einerseits haben die Jungs das Gefühl, dass du die Welle nicht schaffst, anderseits ist die Surf-Welt auch sehr sexistisch, wenn man einen Sponsor sucht», sagt Sarah. Und weiter: «Das ist schade, denn Surfer:innen leben vom Sponsoring». Die Entwicklung von Social Media nehme Chancen [auf ein Sponsoring] von Leuten, die zwar gut surfen, aber die Produkte des Sponsors nicht verkaufen können. Und ausser den Profis, die bei der WSL (World Surf League) dabei sind, lässt sich mit Surfen nicht wirklich Geld verdienen.

Um dem Sexismus in ihrem Sport entgegenzuwirken plant Sarah ein Projekt gemeinsam mit einer Kollegin, die fotografiert. «Sie ist die einzige Fotografin, die auch bei hohen Wellen rausgeht, um zu Fotografieren», sagt Sarah. Aufgrund von Corona haben die beiden Frauen ihr Vorhaben auf nächstes Jahr verschoben.

Crowdfunding für den Karrierestart

Um ihren Traum, an internationalen Wettkämpfen anzutreten, ein Stück näher zu kommen, lancierte Sarah ein Crowdfunding. «In Mexiko habe ich Feedback gekriegt, dass ich viele Fortschritte gemacht habe. Um eine normale Karriere im Surfen zu starten, ist es zu spät. Dafür musst du schon früh anfangen», sagt Sarah. Also surft sie die grossen Wellen.

Mit dem Geld vom Crowdfunding (die Hälfte vom Betrag, den sie eigentlich braucht), will Sarah nach den Schweizermeisterschaften zurück nach Mexiko und dort die «Big Wave» surfen. Über den Winter geht sie dann zum ersten Mal nach Ohana, wo es einige der höchsten Wellen gibt. Bis 20 Meter hoch türmt sich das Wasser. «Ich bin froh, wenn ich nur schon die 10 Meter Welle schaffe.»

Die Emotionen explodieren

«Wenn ich am Morgen surfen gehe, bin ich durch den Tag viel glücklicher», erzählt Sarah. Sie braucht das ganze Adrenalin. Im Moment surft Sarah am liebsten in Mexiko. Dort gibt es sogenannte «Barrels». Bei denen werden die Surfer:innen ganz von der Welle umschlossen sind, also sich in einem «Fass» befinden.

Das Ziel ist, direkt in den Barrel zu surfen. Das ist ein mega Adrenalinkick, den man kriegt. Die Welt steht still, alles ist wie in Zeitlupe und die Emotionen explodieren.

Sarah Neukomm, Surferin

Wo Sarah aber gerade am liebsten surft, hängt stark von den Leuten und der Stimmung im Wasser ab. Grundsätzlich bevorzugt sie die lateinischen Länder, Sarahs Plan für nach ihrer Surf-Karriere ist, ein B&B in Mexiko zu eröffnen.

(Bilder: zVg)

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