Schaffhauser:in ist, wer sich als Schaffhauser:in fühlt

Wie kann Schaffhausen als kleinstädtische und ländlich geprägte Region attraktiv für junge Leute sein? Damit befasst sich die Studie «Schaffhausen 2030 – Ein Kraftwerk für soziale Energie». Schaffhauser:innen ziehen weg, weil sie diesen Schritt als nötig für die berufliche oder persönliche Weiterentwicklung sehen. Gerade berufliche Chancen sehen im Raum Zürich besser aus, als in Schaffhausen. Auch für viele Aus- und Weiterbildungen muss die Region verlassen werden. Wer in den Kanton zurückzieht tut dies laut der Studie meistens aufgrund der Familie, Freundschaft oder Liebe. Als Gründe, um in Schaffhausen zu bleiben werden das private Umfeld, die Verbundenheit mit Menschen, Vereinen und Landschaften genannt.

Klar ist eins: Um nach Schaffhausen zuzuziehen, zurückzukommen oder zu bleiben ist oft einen persönlichen Bezug zur Region oder eine bereits bestehende Verankerung nötig.

Zurückkommen um zu «nesten»

«Schwarmregionen» zeichnen sich durch eine hohe Lebendigkeit, Vielfalt und Urbanität aus, während andernorts Geschäfte und Restaurants schliessen, Wohnungen leer stehen und Büroflächen neu besetzt werden müssen. Dieses kann gut mit einer «Nestregion» verbunden werden.

Bienen fliegen aus, um etwas zu finden, wovon sie sich ernähren können. Und wenn sie eine attraktive Nahrungsquelle (oder einen gefährlichen Feind) gefunden haben, fliegen sie im Schwarm dorthin. Aber danach – fliegen sie zum heimatlichen Nest zurück. Im Nest ziehen sie den Nachwuchs gross, im Nest erzählen sie Geschichten, im Nest verzehren sie, was draussen eingesammelt wurde.

Ohne Bienennest kein Bienenschwarm – die Perspektive der Region Schaffhausen kann darin liegen, die Perspektive der Schwarmregion mit derjenigen der Nestregion zu verbinden. Eine Heimat, aus der man ausschwärmt, und in die man immer wieder zurückkommt – die prägende Erfahrung, die ein Leben lang nachwirkt.

Menschen ziehen Menschen an

Was können Regionen tun, damit sie eine hohe Anziehungskraft auf Menschen haben? Die traditionelle Antwort darauf lautet: attraktive Arbeitsplätze schaffen. Menschen bewegten sich aufgrund von Wohlstandsunterschieden, folgten also dem Geld.

Die Interviews mit Einwohner:innen des Kantons Schaffhausen, die für diese Studie geführt worden sind, zeigen ein anderes Bild: Menschen ziehen Menschen an. Das Wachstumspotenzial des sozialen Netzwerks spielt eine wichtigere Rolle als das Wachstumspotenzial des Sozialprodukts.

Soziale Energie erzeugt Lebensqualität

Eine hohe Lebensqualität hat viel mit sozialen Kontakten zu tun. Wenn Menschen zusammenkommen, dann entsteht Energie. Es handelt sich dabei um eine soziale Energie, die Lebendigkeit, Emotionen und Geschichten zündet.

Wer im Kanton Schaffhausen aufwächst, wird davon fürs Leben geprägt: der erste Schritt, der erste Rausch, der erste Sex, alle made in Schaffhausen. Diese Prägung kann verdrängt, aber nicht vergessen werden. Auch nicht von denen, die den Kanton verlassen. Die wichtigsten Gründe zur Abwanderung liegen nicht in einer Ablehnung der Heimatregion, sondern in besseren Perspektiven, die sich anderswo in Beruf, Bildung und Privatleben bieten.

Zwischen Landei und Stadtkind

Ein entscheidendes Element für die weitere Entwicklung des Kantons Schaffhausen ist dementsprechend die Schaffung beziehungsweise Steigerung von sozialer Energie. Diese Energie entsteht durch den Austausch von Ideen, Gedanken und Emotionen. Der Kanton Schaffhausen kann hier gerade von seiner Mittelposition zwischen Land und Metropole profitieren. Denn er bietet Mobilität und Stabilität zugleich, er gibt Wurzeln und verleiht zugleich Flügel.

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2 Kommentare

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Als alt eingesessener Schaffhauser finde ich es bemerkenswert und auch erstrebenswert wenn Menschen nicht nur dem Geld folgen, sondern der menschlichen Lebensqualität. Ein gelungener Artikel!

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