Schrotthaufen in der Schweiz, Goldgrube in Marokko

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Eigentlich wollte Jules Trümpler nach seiner ersten Marokko-Reise nie wieder in das Land zurückkehren. Inzwischen fährt er zweimal jährlich mit 8 Tonnen Ware nach Marokko und verkauft diese komplett auf Märkten.

Jules Trümpler reist seit einigen Jahren regelmässig nach Marokko. Im Gepäck: mehrere Tonnen Schrott. Doch nur weil wir Dinge in der Schweiz wegwerfen, heisst es nicht, dass sie nicht mehr gebraucht werden können.

Angefangen hat alles 2011, kurz nach seinem Maturaabschluss. Jules reiste mit seiner damaligen Freundin nach Marokko. Seine Erfahrungen waren allerdings alles andere als angenehm (er wurde mehrmals übers Ohr gehauen) und er wollte nie wieder nach Marokko reisen. Später tauschte er sich mit einem Freund, der marokkanische Wurzeln hat, aus und dieser erklärte ihm, wie das Leben in Marokko abläuft. Jules dachte sich:

Wenn die mich übers Ohr hauen, kann ich das auch mit ihnen machen.

Jules Trümpler

Er packte verschiedene Sachen, die in der Schweiz nicht mehr gebraucht werden, ein, und reiste ein zweites Mal in das nordafrikanische Land. So entstand die Idee, dieses Vorhaben in einem grösseren Rahmen weiterzuführen.

Jules Reise beginnt in Tanger, dort kommt er mit dem Schiff von Genua an. Von Tanger geht’s Richtung Süden. Anhand der Ortsnamen weiss Jules, wo an welchem Tag Markt ist. So zum Beispiel die Ortschaft Soukh el Arbaa du Gharb. Es ist Markt am Mittwoch (4. Tag) im Gharb.

Bezahlen mit Dirham, Rial oder Franc

Wer in Marokko Ware verkaufen möchte, braucht Nerven, auf den Märkten Marokkos geht es hektisch her und zu und nur wer handelt wird ernst genommen.

Es kann schon mal vorkommen, dass ich mit mehreren Leuten gleichzeitig in verschiedenen Währungen verhandle.

Jules Trümpler

Die offizielle Währung Marokkos ist der marokkanische Dirham, im Alltag wird aber auch oft in Rial oder Franc gerechnet. Und das auch noch in Französisch und Arabisch.

Wochenmarkt am Sonntag in Ouarzazate (Marokko)
Wochenmarkt am Sonntag in Ouarzazate (Marokko) (Bild: Jules Trümpler)

Alleine reist Jules aber nie, nur schon wegen der enormen Menge an Ware. Pro Reise nimmt er inzwischen ca. 4 Tonnen Ware mit, sprich 8 Tonnen Material jährlich. Logistisch gesehen braucht er dafür nur schon zwei vollgepackte Transporter, weswegen er auch bereits Gewichtsprobleme mit der italienischen Polizei hatte. 2018 begleitete ihn der Schaffhauser Fotograf Armin Sommer mit der Kamera. Auch für die Reise kommenden November wollen bereits mehrere Leute mit Jules nach Marokko.

Zwischen Kajaks, Kinderwagen und Kraftmaschinen

Jules fährt immer die gleiche Route, besucht die gleichen Städte und Dörfer, die Leute kennen ihn. Es entstanden Freund- und Partnerschaften. Jules zeigt den WhatsApp-Verlauf mit einem Mann, der vor Kurzem Vater geworden ist. Stolz schickte der Mann ein Bild seiner Tochter; er wäre froh, wenn Jules ihm nächstes Mal einen Kinderwagen mitbringen könnte. Ob Jules bis im November einen ungebrauchten Kinderwagen auftreiben kann? Versprechen kann er es nicht.

In Jules Lager steht ein Kajak. Dieses kann er an der Küste den Fischern verkaufen. (Bild: S’MAGAZIN)

Schweissmaschinen sind besonders beliebt, gerade in ärmeren Regionen sind die Handwerker auf zuverlässiges und stabiles Werkzeug angewiesen. Die, die sie neu kriegen sind oft schlechte Qualität und gehen nach wenigen Jahren kaputt. Als er die erste Schweissmaschine mit nach Marokko nahm, verkaufte er sie nur durch einen Zufall. Schnell merkte Jules, dass Werkzeug sehr gefragt ist.

Die meisten Sachen, die Jules in Marokko verkauft hat er in der Schweiz gratis bekommen, weil die Leute sie sowieso wegwerfen wollten. Einige Sachen, wie zum Beispiel Schweissmaschinen versucht er günstig auf Ricardo zu ersteigern.

Ums Geld geht es Jules nicht, er möchte auch kein Profit aus diesem Projekt schlagen. Am Ende seiner Reise kann er mit den Einnahmen oft gerade seine Ausgaben für die Reise decken: Unterkunft, Essen, Transport.

Jules lagert die Ware in einem Bunker bis es Zeit für die nächste Marokko-Reise ist. (Bild: S’MAGAZIN)

Wer also zu Hause in einer verstaubter Ecke noch brauchbare Sachen rumstehen hat, die eigentlich irgendwann für die Mülltonne bestimmt waren: Die Chancen stehen gut, dass Jules sie für seine nächste Marokko-Tour brauchen kann. E-Mail an: jules.truempler@hotmail.com

(Titelbild: Armin Sommer)

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