Frauenstimmrecht: «Dann mach ich es halt selbst»

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Vier Frauen, ein Verein: «50 Jahre Frauenstimmrecht Schaffhausen». Die Idee dahinter: Diesem historisch wichtigen Meilenstein der Schweizer Demokratie eine Ausstellung zu widmen. Anna-Pierina Godenzi, Romina Loliva, Fanny Nussbaumer und Nicole Reisser sind die kreativen Köpfe hinter dem Projekt. Es begann alles vor über zwei Jahren, als Anna-Pierina Godenzi in Schaffhausen herumfragte, ob etwas für das Jubiläum geplant sei. «Ich fand dazumals keinen Anlassung keine Aktion, die dieses Jubiläum in meinem Verständnis angemessen feierte», so Anna-Pierina Godenzi. «Also habe ich mir gedacht, dann mach ich es halt selbst.»

Sie machte sich auf die Suche nach Gleichgesinnten und fand durch herumfragen die anderen drei im Bunde. Godenzi ist die Projektleiterin. Als Lehrerin übernimmt Reisser die «Vermittlung Schulen», Nussbaumer ist zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Social Media und Loliva übernimmt die Recherche.

53 Jahre Scheitern

Bis jetzt sei das Thema «Frauenstimmrecht in Schaffhausen» nur oberflächig bearbeitet worden. Mit der Aufarbeitung mit unter Anderem Geschichten von Zeitzeug:innen wollen die Initiantinnen das nun ändern. Gerade dieses, oft sehr persönlichen, Geschichten sind wichtig zu erzählen, denn diese kennt die Öffentlichkeit so nicht.

Abstimmungsbroschüre Frauenstimmrecht im Mai 1967. (Quelle: Stadtarchiv Schaffhausen)

Wir sehen eine gesellschaftliche Verpflichtung darin, diesen historischen Moment anständig, sauber und detailliert aufzuarbeiten.

Anna-Pierina Godenzi

Die «Bewegung» ist aber schon viel älter als 50 Jahre. «In Schaffhausen wurde 1918 einen Verein gegründet, mit dem Ziel, das Frauenstimmrecht einzuführen», sagt Loliva. «Es ist erstaunlich, dass es dann doch noch so lange gedauert hat.» Erst jetzt werde klar, wie viel Arbeit, Engagement und Beharrlichkeit Frauen* und solidarische Männer an den Tag legen mussten, um diesen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen.

Judith Widmer, Präsidentin des Frauenstimmrechts-Vereins, Aufnahme: 1972. (Quelle: Stadtarchiv Schaffhausen)

«Es brauchte das Scheitern der Versuche, das Frauenstimmrecht kantonal einzuführen», sagt Loliva. Denn nur so hätte sich die Mehrheit der Männer in das «Ja»-Lager verschoben.

Kulturelles Crossover mit Szenario

«1971.sh» ist institutionell unabhängig, sprich sie müssen sich zu 100 Prozent selbst finanzieren. Den Grossteil ihrer Arbeit für das Projekt leisten die Initiantinnen freiwillig. Gelder aufzutreiben war kein leichtes Unterfangen. «Es gibt definitiv bessere Jahre, ein kulturelles Projekt zu machen», sagt Godenzi. Allerdings sei die Aktion, dass Personen Gönner:in vom Verein werden können, deutlich besser gelaufen als erwartet.

Dass Leute bereit sind, für unser Projekt Geld und auch ihre Zeit zu spenden, zeigt, dass das Thema, welches wir bearbeiten, wichtig ist.

Anna-Pierina Godenzi

Geplant, ergänzend zur Ausstellung, ist ein kulturelles Crossover mit der Theatergruppe Szenario. «Mit dieser Zusammenarbeit streben wir nicht nur Vernetzungen an, sondern wir glauben auch, dass unser Projekt einen Mehrwert bieten kann, wenn wir Szenario mit ins Boot holen», so Godenzi.

Fanny Nussbaumer, die nicht nur bei 1971.sh, sondern auch bei Szenario mitwirkt, erzählt, dass vier verschiedene Projekte über das Jahr verteilt geplant sind. «Die Performances werden einen aktivistischen Touch haben. Inhaltlich passen sie immer auf das Thema Frauenstimmrecht, welches auf verschiedene Arten umgesetzt wird», sagt Nussbaumer.

Die Ausstellung «50 Jahre Frauenstimmrecht Schaffhausen» eröffnet am 5. September. Bis dahin gibt es für Godenzi, Nussbaumer, Loliva und Reisser noch viel zu tun.

(Quelle Titelbild: 1971.sh)

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