Machthaber Taliban: «Es wird schlimm für die Frauen»

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Hasti Salehi* lebt in Schaffhausen, ihre Familie in einem von den Taliban kontrollierten Gebiet in Afghanistan. Tun kann sie nichts.

Mit 11 Jahren war sie verlobt, mit 14 verheiratet und zog mit zu ihrem Ex-Mann in den Iran, während ihrer Flucht nach Europa war sie mit ihrer Tochter schwanger. Hasti Salehi* hat viel durchlebt. Seit fünf Jahren lebt sie in Schaffhausen, sie hat konstante Angst um ihre Familie. Diese wohnen in einem Gebiet, das schon länger von den Taliban kontrolliert wird.

S’MAGAZIN: Was war der Grund für Ihre Flucht?

Hasti Saleh*: Als Afghanin durfte ich nicht im Iran leben. Wäre ich von der Polizei kontrolliert worden, hätten sie mich zurück nach Afghanistan gebracht. Geflüchtet bin ich, als ich mit meiner Tochter schwanger war, schon auch wegen dem Krieg, aber hauptsächlich ihretwegen.

Wir sind zu Fuss in die Türkei gelaufen, danach entweder per Bus, Auto oder zu Fuss über Griechenland und Osteuropa, bis wir in der Schweiz waren. Mein Ex-Mann kannte jemanden hier.

Wie ist die Lage in Afghanistan unter der Machthabung der Taliban?

Echt schlimm. Momentan ist es eher ruhig, aber ich glaube sie warten einfach ab. Die Polizei schaut über all die Toten hinweg, als gäbe es kein Gesetz.

Warten sie bis keiner mehr hinschaut, um Krieg zu führen?

Ich denke schon.

Wie steht es um die Frauen?

Ich habe gehört, dass Leute, die Mädchen ab 12 Jahren zu Hause haben, ein Kreuz an ihre Türe malen müssen. So wissen die Taliban, wo es Mädchen zum Heiraten gibt. Ich habe Angst um meine 13-jährige Schwester. Es wird schlimm für Frauen.

Wie sieht das Leben Ihrer Familie momentan aus?

Sie verstecken sich im Haus, haben Angst vor die Tür zu gehen. Mein Vater und meine beiden Brüder haben mit der Regierung gearbeitet. Wenn die Taliban das herausfinden, bringen sie meine ganze Familie um.

Vor sechs Monaten haben die Taliban einen meiner Brüder verschleppt. Sie wollten, dass er sich in einer Menge Leute in die Luft sprengt. Er hat das nicht gemacht. Er ist verletzt nach Hause gekommen, niemand weiss, wie er es zurückgeschafft hat.

Versucht Ihre Familie zu fliehen?

Nein. Sie haben Angst, dass die Taliban überall sind, deshalb verstecken sie sich zu Hause. Sie wohnen in einem Dorf in der Nähe von Masar-e Scharif. Diese Region wird schon länger von den Taliban kontrolliert. Ich höre immer wieder von Schiessereien und hochgegangenen Bomben. In den Schweizer Medien hört man von diesen Vorfällen aber nichts.

Wie geht es Ihnen dabei, wenn Sie wissen, dass ihre Familie in konstanter Gefahr lebt?

Ich kann nichts machen. Ich weine jeden Abend. Auch wenn ich in Sicherheit bin, meine Familie ist es nicht und das macht mir Angst.

Können wir von der Schweiz etwas tun für die Afghan:innen, die vor Ort sind?

Ich wüsste nicht was.

*Name geändert

(Symbolbild: Ehimetalor Akhere Unuabona on Unsplash)

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